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Tripperburg – die venerologischen Stationen der DDR
Der Begriff der Tripperburg ist ein Begriff auf der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). So bezeichneten Insassen und ehemalige Insassen die venerologischen Stationen der DDR, in welchen vor allem Frauen "medizinisch" behandelt und sozialisiert wurden. Es waren Orte des sexuellen Missbrauchs und der Gewalt, welche auch heute noch in den Köpfen vieler Menschen nachhallen.
Klinische Stationen voller Gewalt, Missbrauch und Umerziehung: Der Begriff der Tripperburg war nie offiziell, war aber praktisch in der gesamten DDR bekannt. Unter dem Namen führen vor allem die Bewohner die venerologischen Stationen der verschiedenen Kliniken, in welchen vornehmlich Frauen behandelt wurden. Die geschlossenen Stationen mit den vergitterten Fenstern wurden unter anderem für die soziale Umerziehung genutzt. Doch auch Berichte über Medikamententests sind bekannt und gehören zum damaligen Alltag der Stationen. Gewalt und sexuelle Ausbeutung waren auf diesen Stationen häufig an der Tagesordnung.
Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen waren an der Tagesordnung
Besonders traumatisch für viele junge Frauen in einer Tripperburg war, dass diese ihren Namen nicht umsonst erhielt. Denn vorgeblich wurde in diesen Institutionen gesichert, dass die betroffenen Frauen keine Geschlechtskrankheiten entwickeln konnten. Dafür wurden die Frauen häufig sogar täglich gynäkologisch untersucht. Und das nicht, wie man es heute kennt, vorsichtig und empathisch, sondern häufig unter Androhung von Gewalt und mit rabiaten Methoden.

Patientinnen berichten unter anderem, dass ihnen Glasröhrchen – die damalige Alternative zu Spekula – ohne Vorankündigung mit Gewalt eingeführt wurden. Viele der Handlungen waren mehr als nur traumatisch für die betroffenen Frauen und jungen Mädchen.
Versuche der Aufarbeitung scheitern häufig am Trauma der Betroffenen
Auch heute noch wird versucht, die Geschichte jeder Tripperburg aufzuarbeiten. Doch zum einen wurden viele Akten vernichtet, zum anderen ist es somit auch besonders schwer betroffene Frauen zu finden. Ein weiterer Punkt sind die Traumata, welche viele der Frauen in den Anlagen erlitten haben. Diese haben teils massive Auswirkungen auf das Gedächtnis und machen es umso schwerer, sich überhaupt an die Zeit und den Aufenthalt in einer Tripperburg zu erinnern.
Viele der betroffenen Frauen haben zudem nach dem Aufenthalt in einer der Kliniken ein neues Leben aufgebaut und möchten überhaupt nicht mehr an die erschreckende Zeit damals erinnert werden. Daher ist die Aufarbeitung der Vergehen in der heutigen Zeit nur noch eingeschränkt möglich. Dennoch gibt es einige Projekte, bei denen einzelne Stationen und die Vorgänge in diesen Stationen in Büchern und Reportagen beschrieben werden.
Der Deckmantel der Medizin in der DDR macht sprachlos
Wer sich mit den Tripperburgen und mit ihren verschiedenen Ausprägungen beschäftigt, bleibt oft sprachlos zurück. Was die DDR unter dem Deckmantel der Medizin mit Teilen der weiblichen Bevölkerung tat, ist aus heutiger Sicht absolut unvorstellbar. Missbrauch und sexueller Missbrauch und Gewalt – eine Spirale abwärts, welcher beinahe jede Frau treffen konnte.
Einmal in die Klinik eingewiesen, warteten häufig Wochen oder sogar Monate der Folter auf die Frauen. Erniedrigt und sexuell ausgebeutet mussten viele Frauen unvorstellbares Grauen erdulden, ehe diese als "geheilt" wieder in die Gesellschaft entlassen wurden. Da es vor allem junge Frauen und "Asoziale" traf, gab es keinen Aufschrei in der Bevölkerung.