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Die geheime Welt der Online-Stars
Warum Influencerin Lei lieber anonym bleibt – und was wirklich hinter dem Bildschirm passiert
In der schillernden Welt der sozialen Medien, wo Selfies, Storys und Shoutouts zum Alltag gehören, wirkt sie wie eine Ausnahmeerscheinung: Lei (alias id0lls), 28 Jahre alt, lebt in Deutschland, verdient ihr Geld mit Online-Content – und bleibt dennoch lieber im Hintergrund. Ihre Community kennt sie nur von Bildschirmen, aus Videos und Posts. Persönliche Treffen? Fehlanzeige.
Dabei ist sie keineswegs unnahbar. „Ich bin online sehr präsent und liebe den Austausch mit meiner Community“, sagt sie. Doch sobald es um reale Begegnungen geht, zieht Lei klare Grenzen. „Ich versuche, persönliche Interaktionen mit Fans möglichst zu vermeiden.“ Und das aus gutem Grund: Stalking-Erfahrungen und übergriffige Nachrichten haben sie vorsichtiger gemacht. Außerdem lebt Lei mit einer Form der Neurodivergenz – soziale Situationen bedeuten für sie oft Überforderung. „Im Netz kann ich den Kontakt steuern, in der realen Welt ist das schwieriger.“
Trotzdem wirkt sie auf ihren Kanälen offen, kreativ, nahbar. Ihre Bilder sind ästhetisch, ihre Worte ehrlich, ihre Präsenz stark. Was viele jedoch nicht wissen: Hinter dem Pseudonym verbirgt sich nicht nur eine Influencerin, sondern eine facettenreiche Künstlerin mit beeindruckender Lebensgeschichte.
Vom Blog zur Businessfrau

Leis Weg ins Internet begann nicht erst mit Instagram & Co. Schon in ihrer Schulzeit war sie online aktiv, betrieb Blogs, experimentierte mit Fotografie und tauchte in Bildersuchen regelmäßig unter Schlagwörtern wie „bunte Haare“ auf. „Ich habe schon damals gespürt, dass ich mich online besser ausdrücken kann als im Alltag.“
2018 entschied sie sich, ihre Social-Media-Aktivitäten zu professionalisieren. Kooperationen, Content-Pläne, Strategie – aus Hobby wurde Beruf. Nebenbei studierte sie Textil- und Bekleidungstechnik, unterrichtete Tanz und arbeitete in kreativen Bereichen. „Ich war immer vielseitig interessiert und habe früh gelernt, mir mein Leben selbst aufzubauen.“
Ein entscheidender Schritt in ihrer Online-Karriere war die Plattform 4based. Eine Freundin empfahl sie ihr – verbunden mit dem Hinweis, dort ließe sich schnell Geld verdienen. Zu diesem Zeitpunkt war Leis Hund schwer krank, die Tierarztkosten stiegen ins Unermessliche. „Ich war in einer verzweifelten Lage. Die Entscheidung, 18+ Content zu posten, war damals ein Mittel zum Zweck.“
Doch sie traf diese Entscheidung nicht leichtfertig. Für Lei war es mehr als nur ein Weg, finanziell durchzuatmen – es wurde zu einem Akt der Selbstermächtigung.
18+ Inhalte – aus Überzeugung
„Frauen werden sexualisiert, egal was sie posten – ob sie ein Bikini-Foto teilen oder einfach nur ein Selfie. Ich habe das schon als Teenager erlebt“, sagt sie. Damals kursierten private Fotos von ihr ohne ihr Wissen im Netz. Für sie war das ein Schock – und ein Schlüsselmoment.
Heute will sie selbst bestimmen, wie sie sich zeigt. „Ich entscheide, was ich poste, zu welchen Bedingungen und in welchem Rahmen. Es ist meine Kontrolle über meinen Körper und mein Bild.“ Erotik, sagt sie, müsse nicht immer Provokation bedeuten. In ihrem Fall ist sie Teil einer bewussten Strategie.
Ihr Umfeld? „Sehr offen und tolerant“, betont sie. Viele ihrer Freunde kennen ihre Inhalte, respektieren ihre Entscheidungen – und wissen, dass hinter der Kamera eine starke, reflektierte Frau steht.
Leben jenseits des Bildschirms

Wer Lei auf Social Media folgt, erlebt eine visuell ansprechende Welt – ästhetische Fotos, Tanzvideos, kunstvolle Outfits. Doch ihr Leben ist nicht nur digital. Sie tanzt, macht Luftakrobatik, betreibt Upcycling, fotografiert, bastelt – und zieht sich regelmäßig in die Natur zurück, um aufzutanken.
Ihr Traum? Ein kleines Haus auf dem Land, gemeinsam mit ihrem Partner und vielen Tieren. Ein Ort, an dem sie kreativ arbeiten und gleichzeitig zur Ruhe kommen kann. „Ich wünsche mir ein ausgeglichenes Leben – weg von der Hektik, nah an der Natur.“
Bis dahin bleibt sie eine der vielen Stimmen, die aus der digitalen Welt sprechen – nur eben mit mehr Zurückhaltung und Selbstschutz als andere. Conventions, Fantreffen oder Meet & Greets? Derzeit ausgeschlossen. Doch wer weiß, was die Zukunft bringt.
Zwischen Sichtbarkeit und Schutz
In Zeiten, in denen Influencer Einblicke in ihren Alltag geben, als wäre das Private längst öffentlicher Besitz, erinnert Leis Geschichte daran, dass Sichtbarkeit nicht automatisch Nähe bedeuten muss. Sie zeigt, dass auch hinter einem Bildschirm echte Menschen stehen – mit Ängsten, Erfahrungen und Entscheidungen, die nicht immer laut, aber dafür umso klarer sind.
Lei beweist, dass Erfolg in der Online-Welt nicht mit permanenter Offenlegung einhergehen muss. Dass man Einfluss nehmen kann, ohne sich selbst komplett preiszugeben. Und dass es manchmal mehr Mut braucht, Grenzen zu ziehen, als sie zu überschreiten.
In einer Welt, in der digitale Nähe oft mit physischer Präsenz verwechselt wird, geht Lei ihren ganz eigenen Weg – mutig, leise und voller Haltung.