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Nackt im Kino in Spanien
Im Dezember 2024 war es so weit: Die ersten Spanier besuchten nackt ein Kino. Was für manche absurd klingt, ist für andere ein Stück mehr Selbstbestimmung und Freiheit. Doch wie kommt Spanien beziehungsweise die Kinobetreiber auf Nackt-Vorführungen? Dahinter steckt ein ganz bestimmter Grund.
Es war in der Vorweihnachtszeit 2024 am 15. Dezember, als zwei Kinos "Khiruna" und "Lis" in Valencia und Barcelona ihre Türen für den Horrorfilm "Tu no eres yo!" (Du bist nicht ich) öffneten. Soweit nichts Spektakuläres – bis sich kurz nach dem Betreten der Kinosäle jeweils rund 50 Zuschauer wie selbstverständlich ihrer Kleidung entledigten, es sich splitterfasernackt auf mitgebrachten Handtüchern gemütlich machten und dabei regen Unterhaltungen mit Sitznachbarn führten, als sei ihr Vorgehen das normalste der Welt. Glaubt manch einer nun an Aktivisten? Weit gefehlt. Hierbei handelte es sich nicht um Eigeninitiative der Besucher, sondern um ein Angebot der Kinobetreiber: FKK im Kino!
Es waren die ersten beiden Filmvorführungen in spanischen Kinos, die explizit dazu einluden. Hauptsächlich kamen dem Angebot männliche Besucher nach, während die Frauen sich deutlich zurückhaltender verhielten.
Grund für Nacktheit im Kino
Ein beiläufiger Grund dafür, nackt im Kino Filme zu schauen, ist die kontinuierliche Zunahme von Anhängern der Freikörperkultur, kurz FKK. Bereits Anfang des 19. Jahrhundert ließen erste Frauen und Männer in Deutschland außerhalb ihrer privaten Komfortzonen die Hüllen fallen. So wie die Natur sie schuf, mischten sie sich zunehmend unter die Bevölkerung, überwiegend an Gewässern, wo sich die Mehrheit in klassischer Badekleidung aufhielt. Grundsätzlich gab und gibt es kein Gesetz, dass eine generelle Kleidungspflicht vorschreibt. Um vermeintliche Störungen "Angezogener" zu vermeiden, entstanden FKK-Bereiche. Mittlerweile haben sich diese in fast allen europäischen Ländern ausgeweitet. Sogar FKK-Campingplätze und Hotels sowie komplette Urlaube sind heutzutage buchbar.

Den Betreibern der besagten Kinos geht es aber um das prinzipielle Aufbrechen von Tabus sowie die Entsexualisierung nackter Körper. Dazu wählten sie explizit den oben genannten Film, weil an diesem bekannte FKK-Anhänger mitwirkten und Szenen mit nackten Darstellern für schauspielerische Rituale vorhanden sind. Es sind Szenen, bei der die Nacktheit nebensächlich wahrgenommen wird. Das trifft exakt das, was die Kinobetreiber damit erzielen wollten, wenn Zuschauer nackt im Kino sitzen: Ein nebensächliches Detail, das einfach normal ist und keine sexuellen Gedanken anregt.
Bedingungen für nackt im Kino
An diesem Tag standen in den beiden Kinos ein störungsfreier Ablauf und die Zufriedenheit aller Kinobesucher vor, während und nach den Filmvorführungen im Vordergrund. Ihre Absicht war es nicht, ein öffentliches Ärgernis für Nicht-FFK-Anhänger zu provozieren, geschweige denn, bekleidete Besucher zu missionieren. Es ging um die Akzeptanz von Nacktheit durch die gedankliche Umorientierung von nackter Natürlichkeit, indem Nacktheit weiteren Zugang zu Alltagsangeboten erhält.
So galten für die Personen, die nackt das Kino genießen wollten, Bekleidungspflicht in allen Räumlichkeiten, die nicht als FKK-Bereich gekennzeichnet waren. Das bedeutet, ein Betreten und Verlassen des Kinos sowie zu den Toilettengängen hatten Besucher angezogen zu sein. Ein Entkleiden fand dementsprechend erst im FKK-Kinosaal statt. Hygiene war ein weiteres Detail, an das sich die Kinobesucher zu halten hatten. Deshalb war das Mitbringen eines Handtuchs oder einer Decke vorgeschrieben, die Kinosessel vor dem direkten Kontakt mit dem Gesäß und Geschlechtsteilen schützten.
Unterstützung bekannter katalonischer Persönlichkeit
Der Präsident der Föderation für Nudisten und Naturalisten Segmin Rovira ist leidenschaftlicher FKK-Anhänger, Naturliebhaber und lebt die Nachhaltigkeit auf ganzer Ebene. Er gründete 2023 diese katalonische Organisation mit dem Ziel, genau das zu erreichen, was die Kinobetreiber mit der Aktion "Nackt im Kino" bezweckten. Deshalb begrüßt er das Handeln.

Vor allem sieht er es als Notwendigkeit an, weil er bei zahlreichen, insbesondere jungen Menschen, ein verdrehtes Bild über nackte Haut bemerkt. Frauen, die beispielsweise ihre Brüste als sexuell aufreizendes Mittel präsentieren und Männer, die darauf anspringen – Frauen, die sich für manche Körperteile schämen und glauben, sie verstecken zu müssen und Mitmenschen, die sich öffentlich lustig über unperfekte Körper machen – das sind nur zwei Beispiele von vielen. Es sei an der Zeit, mehr Freikörperkultur zu integrieren, um durch die "Masse" an FKK-Angeboten eine Normalität zu schaffen, aber auch ein normaleres Verhältnis zu seinem eigenen sowie zu anderen Körpern zu fördern.
Sex im Kino
Wie die Nacktheit ist auch Sex das normalste der Welt. Daraus ergibt sich eine durchaus begründete Frage, ob Sex im Kino dann bald auch normal sein wird. Davon ist aktuell nicht auszugehen, zumindest nicht in öffentlichen Kinos, die für die breite, gesellschaftliche Masse bestimmt ist.
Doch es gibt Clubs für abenteuerlustige Sexhungrige, die auf FKK spezialisiert sind. In einigen dieser kann man auch nackt ein Kino innerhalb des Etablissements besuchen. Dies dient hauptsächlich der sexuellen Stimulierung, um vor der Leinwand direkt loszulegen, allein mit Partner oder zu mehreren.